Impfpass Fälschung: Das illegale Geschäft neben Corona

Impfpass-Fälschungen und Blanko-Ausweise sind in Deutschland im Umlauf. Was Corona-Geimpfte beachten sollten. Der Bund plant einen digitalen Impfausweis.

Die Nachfrage scheint groß, Blanko-Pässe kann man sogar auf Amazon kaufen, welche nach offiziellen Vorgaben erstellt und anerkannt sind. Diese können als Basis für Fälschungen dienen. Auf sozialen Medien wie Telegram erleben Verschwörungserzähler derzeit einen pandemiebezogenen Boom. Während meist von einer angeblichen „Lügenpandemie“ die Rede ist, gibt es mittlerweile auch Angebote für besonders hartgesottene Impfgegner: gefälschte Impfpässe. Potenzielle Käufer melden ihr Interesse öffentlich und oft mit ihrem echten Namen an. Neben den offensichtlichen Problemen offenbart das breite Angebot vor allem die Schwächen eines Papierimpfausweises

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Gefälschte Impfpässe aus mehreren Impfzentren aufgetaucht: Verkauf und Erwerb strafbar

Zuletzt berichtete das ARD-Politikmagazin Report Mainz, dass Impfpässe aus großen Impfzentren wie Frankfurt, Düsseldorf und Augsburg gefälscht wurden. Auch Pässe aus München und Bonn seien dabei gewesen. Doch sowohl der Verkauf als auch der Kauf von gefälschten Impfpässen ist strafbar. „Nach dem Strafgesetzbuch gibt es zwei Straftatbestände: Fälschung von Gesundheitszeugnissen und Urkundenfälschung. Hinzu käme der Missbrauch eines Titels, zum Beispiel sich als Arzt auszugeben, wenn das nicht stimmt“, erklärt Professor Christoph Safferling, Strafrechtsexperte von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegenüber BR24.

Corona-Impfung: Gesundheitsministerium warnt vor Bildern des Impfausweises im Netz

Aus diesem Grund hat das Bundesgesundheitsministerium letzte Woche eine Warnung auf Twitter veröffentlicht. Es rät ausdrücklich davon ab, „sensible persönliche Gesundheitsdaten“ zu teilen.

Doch das Foto allein reicht nicht aus. Denn Kriminelle könnten auch leicht einen Impfpass mit anderen Informationen wie Chargennummer, Stempel und Unterschriften fälschen. Außerdem – und das sollten Geimpfte nicht unterschätzen – handelt es sich bei solchen Informationen um persönliche Gesundheitsdaten. Diese sind sensibel und sollten geschützt werden, wie das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage der dpa mitteilte. Für gefälschte Impfausweise können auf dem Schwarzmarkt Preise von rund 150 Euro aufgerufen werden.

Aber nicht nur zur Fälschung von Impfpässen könnten die Daten missbraucht werden. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das für die Arzneimittelkontrolle in Deutschland zuständig ist, warnt davor, dass man mit den Informationen auf den Bildern falsche Nebenwirkungen melden könnte. Wer eine Chargennummer und den dazugehörigen Impftermin kennt, könne über das Internetportal „nebenwirkungen.bund.de“ oder die „SafeVac-App“ des PEI eine plausibel wirkende Meldung abgeben. Dies sei besonders heikel, weil man solche Meldungen auch anonym abgeben könne.

Digitaler Impfpass als Lösung?

Mehrere privatwirtschaftliche Initiativen arbeiten bereits an einer digitalen Lösung des Problems – darunter die Covid 19 Credentials Initiative, für die sich mehrere Unternehmen und Organisationen auf fünf Kontinenten zusammengeschlossen haben. Ziel ist es, einen Standard für Apps zu schaffen, mit denen man Corona-Impfungen nachweisen kann. Unter den Beteiligten ist auch das Common Trust Network, das von der in Genf ansässigen Non-Profit-Organisation koordiniert wird. Mit einer App namens Common Pass will es ermöglichen, dass medizinische Daten wie Testergebnisse und Impfnachweise angezeigt werden können.

Auch in Österreich ist ein E-Impfpass bereits im Einsatz. Mit diesem will die österreichische Regierung unter anderem die Verteilung von Impfstoffen dokumentieren. Jeder, der sich in Zukunft impfen lässt, landet also in einem zentralen Register (DER STANDARD berichtete). Eine Opt-Out-Möglichkeit gibt es nicht. Ein ähnliches Verfahren ist auch in Deutschland geplant. Derzeit werden die Daten an die zuständigen Gesundheitsämter übermittelt, aber Flughäfen oder auch Restaurants und Freizeiteinrichtungen haben keine Möglichkeit, die Echtheit der vorgelegten Impfausweise zu überprüfen.

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